Loslassen der Welt vor Corona  

Die Corona-Pandemie hat gesellschaftliche, gesundheitliche und Kommunikationsfolgen. Die Zukunft ist ungewiss. Szenarien, nach der Pause-Taste sind vielfältig. Damit Unternehmen in Zukunft krisenfest sind, müssen die Phasen der Erneuerung im Jetzt, nach der ersten Krisenbewältigung, sich prüfend angesehen werden.[1]

Der Rückblick in die Gesellschaft und Wirtschaft wirkt surreal. Themen wie Klimawandel, künstliche Intelligenz, selbstfahrende Autos, Konsum, Unterhaltungsshows, Zeitmangel bestimmten das damalige Heute. Probleme oftmals gelöst durch Technologie. „Bezogen auf das Modell der Lazy Eight (vgl. Gunderson/ Holling 2002; Katzmair/Gulas 2018) begibt sich die Welt – wie auch die Wirtschaft – auf eine Rückwärtsschleife der Erneuerung.“[2]

Somit stellt sich die Frage, welche Szenarien sind vorstellbar: Zurück zur alten Welt oder der innovative Neubeginn? 

                               Quelle: Zukunftsinstitut 2020, Whitepaper: Die Welt nach Corona

Phase 1: Koste es was es wolle 

Gesundheit, Liquidität und Sicherheit vorausgesetzt.

Der Effekt, dass ein Teilsystem ein anderes zum Liegen erbrachte, haben die Abhängigkeiten und Wirkungsbeziehungen gezeigt. „Laut IWF wird die Wirtschaft der Welt im Jahr 2020 um 3 Prozent, die Europas sogar um 7,5 Prozent schrumpfen. Für 2021 gehen die Weltökonomen dagegen von Wachstum aus: Die Weltwirtschaft soll um 5,8 Prozent, die Europas um 5,2 Prozent wachsen (vgl. Gopinath 2020).“[3] Ebenfalls im Bewusstsein, dass Trends und Einschätzungen nur funktionieren, so lange die Situation gefestigt ist. „Dabei fällt auf: Ökonomische Debatten strapazieren eindimensionale Kurvenentwicklungen: U, V, W. Wird es ein langes Tal, ein U, das wir durchschreiten müssen? Oder ein schnelles V: blitzartig rein in die Krise, ebenso schnell wieder raus? Oder wird es ein W, eine Phase des Auf und Ab ?“[4] Theoretisch zu akzeptieren, für Unternehmer und Unternehmerinnen in der Praxis schwierig. „Ein zentrales Merkmal komplexer Systeme ist ihre Vielzahl an Rückkopplungsmöglichkeiten…: Jede Entscheidung führt zu Anschlussentscheidungen und -handlungen, die verzögerte, nichtlineare Wirkungen auflösen. Die Krise verschiebt die Grenzen der Komplexität. Wir verabschieden uns vom linearen Denken…“[5] In Unternehmen gilt es auf Komplexität und Anpassung umzustellen, um zukunftsfähig zu sein. Mehr denn je sind Selbstorganisation und Entscheidungsfähigkeit gefragt. Die Geschwindigkeit im (Arbeits-) Alltag ist eine andere. Einerseits haben Unternehmen sich angepasst und komplexe Prozesse im Galopp digitalisiert: Arbeiten im Homeoffice, veränderte Kommunikationsstruktur der Unternehmen bzw. digitale Kommunikation anstelle analoger Kommunikation. Andererseits muss das lineare Denken abgeschaltet werden und auf Komplexität umgestellt werden.   

Fazit: Nach der Krise geht es um Komplexität und Anpassungsfähigkeit der Unternehmen. 

 

Phase 2: Jetzt oder nie  

„Identität, Kreativität und Geschwindigkeit“[6] vorausgesetzt.    

Es ist der Beginn für neues Unternehmertum.   

Unternehmen besinnen sich auf Stärken und Potenziale. Die Strategie wird stärker an die Identität von Unternehmen ausgerichtet. Krisentraining bestimmt den Arbeitsalltag. Jetzt heißt es überleben für immer. Der Vorsprung, den sich Unternehmen nun erarbeiten können ist an neue Ideen, Einfallsreichtum und Dynamik geknüpft. Alles kann von Neuem. Neue Netzwerke entstehen, neue Rollen werden geschaffen.    

Fazit: Im Rahmen der Krise ergeben sich neue Perspektiven und kreative Möglichkeiten, gerade in der internen Kommunikation. In einer neuen Geschwindigkeit. 

 

Phase 3: Vieles ist möglich

„Glokalisierung als Lokalisierung des Globalen, Digitalität und Adaptivität“[7] vorausgesetzt.

Neues entsteht. Die Wirtschaft wurde einmal durchgeschüttelt und agiert anders: sie hat sich an die Krise angepasst und reagiert „…real-digital und glokal“[8]. Glokal heißt, dass die Wirtschaft ihre globalen Verbindungen reflektiert betreibt. Die meisten Unternehmen haben gelitten. Die Unternehmen, die überleben, überleben oftmals aufgrund von Unterstützungen und Hilfen, oftmals lokal. Deshalb werden diese Unternehmen im Umkehrschluss lokal agieren und auf lokale Ressourcen und Partner zurückgreifen. Stichwort: Resilienz. Resiliente Unternehmen bleiben dynamisch und können sich jederzeit anpassen.

Fazit: Unternehmen werden anders denken und handeln. Der entscheidende Wettbewerbsvorteil wird darin bestehen sich veränderten Umweltbedingungen flexibel anzupassen. Die Unternehmen werden sich lokal einbringen und an der langfristigen Entwicklung der Gesellschaft und Gesellschaft teilnehmen. Online Kommunikation ist ein Muss. Technologie wirkt unterstützend und nicht mehr als Zukunftsszenario.

Zukunftsaussicht 

Krisenfeste Unternehmen beschäftigen sich mit den möglichen Phasen nach der Krise. Die jetzigen Wochen sind entscheidend. Was zählt ist der Sprung zur Resilienz, nicht Effizienz,“[9]…mit neuen, glokalen, adaptiven Netzwerken“ um langfristig krisenfest zu wachsen, beweglich zu bleiben und langfristig zu überleben. Ist dieser Sprung nicht gewollt, bleibt nur der Weg ins Alte, zu hartem Wettbewerb und Einzelkämpfertum.[10] 

 

Quellen: 

[1] https://www.bpb.de/politik/innenpolitik/coronavirus/307394/gesellschaftspolitische-folgen

[2] Zukunftsinstitut 2020, Whitepaper: Die Welt nach Corona, S.7

[3] Zukunftsinstitut 2020, Whitepaper: Die Welt nach Corona, S.5  

[4] Zukunftsinstitut 2020, Whitepaper: Die Welt nach Corona, S.5 

[5] Zukunftsinstitut 2020, Whitepaper: Die Welt nach Corona, S.5 

[6] Zukunftsinstitut 2020, Whitepaper: Die Welt nach Corona, S.3 

[7] Zukunftsinstitut 2020, Whitepaper: Die Welt nach Corona, S.3  

[8] Zukunftsinstitut 2020, Whitepaper: Die Welt nach Corona, S.9

[9] Zukunftsinstitut 2020, Whitepaper: Die Welt nach Corona, S.10 

[10] Zukunftsinstitut 2020, Whitepaper: Die Welt nach Corona, S.3-10

Titelbild: 285091710/AdobeStock